Juni 2020

Vorhofflimmern und Sepsis: Eine lebensgefährliche Kombination
Pflegepersonal auf Intensivstation
Wie können Betablocker bei Sepsis eingesetzt werden?

Sepsis und septischer Schock können bei etwa einem Drittel der Patienten zum Tod führen.

 

 

 

 

 

 

 

Fast die Hälfte der Patienten mit Sepsis leidet unter Myokarddepression und einer reduzierten Auswurffraktion. Eine Sepsis kann auch Veränderungen des zirkulierenden Volumens, des Gefäßtonus und der Koronardurchblutung verursachen, die sich alle auf die Herzfunktion und die Herzfrequenz auswirken. Messungen des Katecholaminspiegels im Serum und direkte Messungen der Aktivität des renalen Sympathikusnervs haben gezeigt, dass eine schwere Infektion das sympathische Nervensystem aktiviert. Diese Aktivierung kann bei Vorliegen einer schweren Infektion supraventrikuläre Tachyarrhythmien auslösen.  Gerade bei Patienten mit COVID-19 waren auffallend häufig Tachyarrhythmien zu beobachten.

 

Tachykardie und Vorhofflimmern sind prognostische Schlüsselfaktoren für eine Sepsis. Tachykardien von mehr als 100 Schlägen pro Minute bei Aufnahme auf einer Intensivstation sind ein Risikofaktor für eine Verschlechterung der Prognose. Darüber hinaus ist eine Senkung der Herzfrequenz auf weniger als 95 Schlägen pro Minute oder eine Abnahme der Herzfrequenz innerhalb von 24 Stunden nach Beginn signifikant mit einer verbesserten Prognose assoziiert. Daher sollten Tachyarrhythmien mit einer geeigneten Therapie behandelt werden. Aufgrund der Pathogenese der Sepsis und der Folgen konventioneller Sepsistherapien, einschließlich Flüssigkeitsausgleich und Vasopressoren, könnten diese Ansätze jedoch bei vielen Patienten unwirksam bleiben.

 

Betablocker zur Behandlung von Tachyarrhythmien bei Patienten im septischen Schock

 

Obwohl diese Behandlungen die hämodynamischen Faktoren verbessern, erhöhen sie auch die zirkulierenden Konzentrationen von Noradrenalin und Adrenalin im Serum, welche die Aktivität des Sympathikus steigern, was wiederum zu einer sympathischen Aktivierung des Herzens und einer erhöhten Herzfrequenz führt. Die Verabreichung von kurzwirksamen kardio-selektiven Betablockern könnte daher dazu beitragen, die Auswirkungen auf das sympathische Nervensystem zu verhindern oder rückgängig zu machen, und wird heute weithin zur Behandlung verschiedener Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt. Die Verwendung von Betablockern zur Behandlung von Arrhythmien bei Patienten mit septischem Schock wurde auch in Anbetracht ihrer anti-arrhythmischen und entzündungshemmenden Wirkung sowie ihrer günstigen Auswirkungen auf das Gleichgewicht zwischen myokardialer Sauerstoffversorgung und -bedarf sinnvoll eingeleitet.

 

Landiolol, ein ultrakurz-wirksamer β1-adrenerger Rezeptor-Antagonist, wird häufig zur Behandlung von Vorhofflimmern und Vorhofflattern bei kritisch kranken Patienten und Patientinnen, die auf eine Intensivstation eingeliefert werden, sowie zur Behandlung intra- oder postoperativer Tachyarrhythmien eingesetzt. Zusätzlich ist Landiolol in Japan zur Behandlung von Kammerflimmern zugelassen. Die Evidenz unterstützte bereits die Verwendung von Landiolol zur Behandlung von Sepsis bedingten Tachyarrhythmien in Fallberichten, retrospektiven Studien, und Tierstudien. Diese Studien lieferten überzeugende Beweise dafür, dass Landiolol die Herzfrequenz bei Patienten mit Sepsis senken kann. Nun liegen auch die Ergebnisse einer randomisiert-kontrollierten prospektiven Phase-2/3-Studie zur Bestätigung der Wirksamkeit und Sicherheit von Landiolol in der Behandlung Sepsis bedingter Tachyarrhythmie vor, die Auswirkungen von Landiolol auf Herzfrequenz, Mortalität und Sicherheit bei Patienten mit Sepsis bedingten Tachyarrhythmien, einschließlich Vorhofflimmern, Vorhofflattern und Sinus-Tachykardie, im Vergleich zu Patienten, die eine konventionelle Therapie erhielten, untersuchte.

 

In dieser Studie, die vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift Lancet Respiratory publiziert wurde, konnte gezeigt werden, dass durch Landiolol signifikant mehr Patienten mit Sepsis bedingten Tachyarrhythmien eine Herzfrequenz von 60-94 Schlägen pro Minute innerhalb von 24 Stunden erreichten. Besonders erwähnenswert ist, dass die Blutdruckprofile der Landiolol-Patienten sich nicht von Patienten in der Kontrollgruppe unterschieden haben, sodass erneut gezeigt werden konnte, dass mit Landiolol eine rasche Senkung der Herzfrequenz erreicht werden kann, ohne einen Blutdruckabfall zwingend in Kauf nehmen zu müssen. Weitere wichtige Ergebnisse der Studie waren das signifikant seltenere Auftreten von new-onset Vorhofflimmern unter Landiolol ab Tag 7, sowie kürzere Aufenthalte auf der Intensivstation, generell kürzere Spitalsaufenthalte, sowie eine höhere Überlebensrate in der Landiolol-Gruppe ab Tag 28.

 

 

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Referenzen:

Vasc Health Risk Manag. 2020 Apr 3

Lancet Respir Med. 2020 Mar 31

World J Crit Care Med. 2015 Aug 4