November 2020

Neue ESC-Richtlinien für Vorhofflimmern veröffentlicht
Neue ESC Richtlinien zum Management von Vorhofflimmern
Ein neuer Ansatz zum Umgang mit VHF

Die europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC- European Society of Cardiology) hat im Rahmen ihres diesjährigen Kongresses ihre neuen Leitlinien für die Diagnose und Behandlung von Vorhofflimmern präsentiert*.  Die frisch publizierten Leitlinien ersetzen somit die im Jahr 2016 erschienenen Empfehlungen der Gesellschaft.

 

 

 

 

Eine der interessanten Neuerungen ist die Charakterisierung und das holistisch integrative Management von Vorhofflimmern unter dem Leitbild „From 5 domains to ABC approach“, die von Professor Gregory Lip präsentiert wurde. Zusammenfassend sind bei der Diagnose und Behandlung von Vorhofflimmern folgende Schritte zu befolgen (CC):

  • CONFIRM AF- Bestätigung des Vorhofflimmerns (Vorhofflimmern mit einer Dauer von über 30 Sekunden auf 12-Kanal EKG)
  • CHARACTERISE AF- Charakterisierung des Vorhofflimmerns mit der Bestimmung des Schlaganfallsrisikos, Schweregrads der Symptome, Schweregrads der Einschränkungen für Patienten sowie der zugrundeliegenden Substrate wie Alter und Komorbiditäten.

 

Nach der CC-Bestimmung soll die ABC Regel beachtet werden:

  • Antikoagulation, Abwehr von Schlaganfall (Beachtung des CHA2DS2VASc, sowie richtige Wahl der gerinnungshemmenden Medikamente)
  • Bessere Symptomkontrolle (Am wichtigsten ist hier die Optimierung der Herzfrequenz)
  • Comorbidities (Begleiterkrankungen) sowie Cardiovascular Risk Factor Management (Management der zugrundeliegenden kardiovaskulären Risikofaktoren wie Gewichtsreduktion, regelmäßige Bewegung, Reduktion des Alkoholkonsums)

 

Weiters neu ist die Aufnahme des super-selektiven ß1-Rezeptorantagonisten Landiolol als geeignetes i.v. Arzneimittel für die akute Frequenzsenkung bei Vorhofflimmern. Landiolol weist die höchste Kardioselektivität unter allen Arzneimitteln auf, die für das akute Management der supraventrikulären Tachykardie in Frage kommen (Landiolol antagonsiert ß1-Rezeptoren 250 mal stärker als ß2-Rezeptoren, die Kardioselektivität von Landiolol ist somit bis circa 100 mal ausgeprägter als bei anderen gängigen Betablockern).

Die Kardioselektivität eines Adrenzeptor-Antagonisten ist unter anderem essentiell für die Vermeidung unerwünschter Faktoren, die das Herzzeitvolumen negativ beeinflussen. Wohlgemerkt, dass der Einsatz von Landiolol genauso im Management der Herzinsuffizienz mit reduzierter linksventrikulären Ejektionsfraktion geeignet ist, wie für diejenigen Patienten mit einer LVEF > 40%. Hingegen wird Amiodaron für die Frequenzsenkung nur mehr als ultima ratio mit einem Empfehlungsgrad II b angeführt, wenn andere Interventionen wie die Gabe von Betablockern ohne Erfolg bleiben (im Gegensatz zu Betablockern wie Landiolol, die ein recommendation class I vorweisen). Bei der intravenösen Gabe von Amiodaron ist darauf zu achten, daß Amiodaron zu unerwünschtem Blutdruckabfall führen kann. Somit sollte Amiodaron generell nur für das chronische Management der Arryhthmien in Betracht gezogen werden, während das Safety/Efficacy Profil dieses Arzneimittels engmaschig zu evaluieren ist.

 

*2020 ESC Guidelines for the diagnosis and management of atrial fibrillation developed in collaboration with the European Association of Cardio-Thoracic Surgery (EACTS); Eur Heart J. 2020 Aug 29;  doi: 10.1093/eurheartj/ehaa612. Online ahead of print

 

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