April 2018

Wissenschaft vs. Erfahrung in der Anästhesie

Wiener Anästhesietage

“Gute Ärzte nutzen sowohl individuelle klinische Expertise als auch die beste verfügbare externe Evidenz, da keiner der beiden Faktoren allein ausreicht.“ David Sackett, der Vater der

evidenzbasierten Medizin erkannte schon vor langer Zeit, dass es nicht ausreicht sich auf wissenschaftliche Studien alleine zu verlassen, um eine fundierte Entscheidung in der Medizin zu fällen.

Der diesjährige Kongress der Wiener Anästhesietage drehte sich um die Frage, ob Mediziner ihre Handlungsweise rein nach wissenschaftlich belegten Studien ausrichten oder mehr ihr eigenes Urteilsvermögen einsetzen sollen. In der Tat verlangen medizinische Fortschritte oft nach Entscheidungen die auf der persönlichen Erfahrung des Arztes basieren, um einen neuen Ansatz, der von bestehenden medizinischen Vorgaben abweicht, zu testen.

Dies und andere neueste Erkenntnisse aus der Anästhesie wurden im wunderschönen Wiener Billrothhaus diskutiert.

Es ging um rechtliche Implikationen die der Beruf des Anästhesisten bei medizinischen Entscheidungen mit sich bringt, wie man Patientengespräche führt und welche präoperativen Maßnahmen zur Risikoevaluierung zu treffen sind.

Jörg Michael Hiesmayr sprach über die Wichtigkeit individueller Ernährungstherapien bei Patienten auf der Intensivstation und Jenny Rosendahl präsentierte die Ergebnisse einer erfolgreichen Studie, die zeigte wie man PTBS nach einem langen Aufenthalt auf der Intensivstation mittel Tagebuchtherapie reduzieren kann.

Angiotensin 2 wurde evaluiert: der starke Effekt als Vasopressor konnte bestätigt werden, jedoch für den Outcome der Sepsispatienten bedeutet dies derzeit keine Implikationen.

Klaus Markstaller bot dem Publikum einen Einblick in eine kürzlich veröffentlichte Publikation über individualisiertes Blutdruckmanagement, welches stark dazu beiträgt Komplikationen zu vermeiden.

Wie wir sehen, ist das Gebiet der Anästhesie dynamisch und entwickelt sich ständig weiter.