September 2018

Argipressin: Neue Therapie für septischen Schock jetzt für 26 EU-Länder zugelassen – Deutschland hat Vorreiter-Rolle

Welt-Sepsis-Tag am 13. September 2018

Eine neue Therapieoption für septischen Schock ist jetzt in 26 europäischen Ländern zugelassen und verfügbar. Sepsis betrifft jährlich weltweit bis zu 30 Millionen Menschen, acht Millionen sterben daran. Der septische Schock ist ein durch eine generalisierte Bakterien-Infektion hervorgerufener Schockzustand und steht in einem Zusammenhang mit hoher Krankheitshäufigkeit und Sterblichkeit sowie langer Invalidität. Die Sepsis hat vor allem negative Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem: Der Blutdruck sinkt, das Bewusstsein ist getrübt, die Atem- und Herzfrequenz steigt an. Eine verschlechterte Makro- und Mikrozirkulation führt in der Folge zu einer Störung der Organdurchblutung und letztlich zu Organschäden und Multiorganversagen.

 

Vorreiter-Rolle für Deutschland

Das Unternehmen AMOMED erwirkte jetzt bei einem europaweiten Zulassungsverfahren für 26 Länder Europas die Rechte für die Einführung eines neuen Arzneimittels zur Stabilisierung des Herz-Kreislauf-Systems bei septischem Schock. Deutschland war in diesem Zusammenhang Vorreiter, hier ist der Wirkstoff Argipressin (1) bereits seit drei Jahren verfügbar. Argipressin – auch bekannt als Arginin-Vasopressin oder antidiuretisches Hormon – hat über eine Kontraktion der glatten Muskulatur des Gefäßsystems blutdruckerhöhende und antidiuretische Eigenschaften.

 

Septischer Schock – Jede Minute zählt!

“Die Überlebenschancen hängen bei einem septischen Schock wesentlich davon ab, wie rasch eine erfolgreiche Therapie der Infektion als Ursache der Sepsis begonnen wird. Zusätzlich gilt es, so schnell wie möglich die Herz-Kreislauf-Situation zu stabilisieren, um Organschäden zu verhindern”, so Prof. Dr. Heinrich V. Groesdonk (Universitätsklinikum des Saarlandes, Leitender Oberarzt der Interdisziplinären operativen Intensivstation). “Vasopressoren dienen dazu, einen ausreichenden Blutdruck zu etablieren und so die Organe mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. In frühzeitiger Kombination mit dem Katecholamin Noradrenalin kann Argipressin die Herz-Kreislauf-Funktion sehr gut stabilisieren, die toxischen Effekte von hohen Noradrenalin-Dosen – zum Beispiel Arrhythmien, Ischämien oder Schädigung der Herzmuskelzelle – eindämmen, und die Überlebenschancen gegebenenfalls erhöhen.”

 

Sepsis auf Intensivstationen: Ein verbreitetes und sehr gefährliches Krankheitsbild

Weltweit wird derzeit ein Anstieg der Sepsis-Fälle beobachtet. In den Jahren 2005 bis 2015 wird eine geschätzte Inzidenz von ca. 440 Fällen pro 100.000 Einwohner und Jahr berichtet (Crit Care Clin 2018;34:15-27). 10 bis 20 Prozent der auf Intensivstationen aufgenommenen Sepsis-Patienten entwickeln im Rahmen der Erkrankung Organdysfunktionen mit und ohne Herzkreislaufversagen. Mehr als die Hälfte aller generalisierten Infektionen wird außerhalb des Krankenhauses erworben, wobei am häufigsten die Lunge und der Gastrointestinaltrakt von der Infektion betroffen sind.

Die INESP-Studie zeigt, dass schwere Sepsis und septischer Schock auch in Deutschland keine Seltenheit sind. Bei der INESP-Studie wurden 11.883 Patienten an 133 deutschen Intensivstationen untersucht. Diagnostiziert wurde (Sepsis-1-Kriterien) bei 218 Patienten eine schwere Sepsis (Intensivstations-Sterblichkeit 16,7 Prozent, Krankenhaus-Sterblichkeit 34,4 Prozent) und bei 1.285 Fällen ein septischer Schock (Intensivstations-Sterblichkeit 37,3 Prozent, Krankenhaus-Sterblichkeit 43,3 Prozent). Die Punktprävalenz von Patienten mit Sepsis oder septischem Schock an einem bestimmten Tag betrug 17,9 Prozent der Gesamtpopulation an den Intensivstationen. (Intensive Care Med 2016; 42: 1980-1989).

“Schwere Sepsis und septischer Schock bedeuten noch immer hohe Krankheitslast und Sterblichkeit sowie lange Invalidität und sind deshalb eine große Belastung nicht nur für die betroffenen Patienten und ihre Angehörigen, sondern auch finanziell für die Gesundheitssysteme”, so Prof. Groesdonk. “Korrekt angewendet, kann Argipressin die Morbidität und Sterblichkeit verringern.”

 

Studienergebnisse zu Argipressin

Dazu einige Studienergebnisse: Im Rahmen der VASST-Studie wurden 800 Patienten mit dokumentiertem septischem Schock, der eine Vasopressor-Therapie über sechs Stunden erforderte, randomisiert mit Argipressin oder Noradrenalin zusätzlich zum Therapiestandard behandelt. Patienten mit moderatem Schock hatten unter der Gabe von Argipressin eine signifikant geringere Mortalität nach 90 Tagen. Bei ihnen zeigte sich auch eine signifikante Abnahme der Herzfrequenz gegenüber den mit Noradrenalin behandelten Patienten. Gleichzeitig unterschied sich der Schlagvolums-Index zwischen den Studienarmen nicht.

Eine weitere Analyse der VASST-Studie zeigte, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Progression zum Nierenversagen bei Patienten mit entsprechendem Risiko unter Argipressin fast halbiert wurde.

Daten aus der VANISH-Studie, die Argipressin und Noradrenalin innerhalb von sechs Stunden nach der Manifestation eines septischen Schocks verglich, bestätigen diese Ergebnisse. Unter Argipressin kam es seltener zum Auftreten von Nierenversagen (minus 11%), und die Argipressin-Gruppe zeigte eine 30prozentige relative Risikoreduktion bezüglich der Notwendigkeit einer Nierenersatz-Therapie. Außerdem hatte Argipressin einen Katecholamin-sparenden Effekt. (Wien klin Mag; DOI 10.1007/s00740-016-0159-5)

 

AMOMED unterstützt den Welt-Sepsis-Tag am 13. September

Trotz solcher alarmierender Zahlen ist das Bewusstsein für Sepsis, unabhängig vom Land und Bildungsgrad erstaunlich gering. “AMOMED unterstützt den Welt-Sepsis-Tag, der das Wissen um dieses noch immer weithin unbekannte Syndrom und dessen verhängnisvolle Konsequenzen schärfen soll”, sagt Dr. med. Houman Kamali, medizinischer Leiter des Unternehmens. “Gleichzeitig ist dieser Tag, eine Geste der Solidarität und Unterstützung an all jene Millionen Menschen, die ihre geliebten Angehörigen verloren haben oder selbst als Überlebende an den Langzeitfolgen von Sepsis leiden.” Sepsis und septischen Schock belegen auf der Rangliste der häufigsten Todesursachen der Welt den Platz 3, nach Herzinfarkt und Schlaganfall. Wir können durch die frühzeitige Diagnose und zeitnahe Behandlung den Ausgang der Sepsis und des septischen Schocks dramatisch verbessern. Unsere neue Therapieoption ermöglicht uns den täglichen Kampf gegen Sepsis und septischen Schock aussichtsreich aufzunehmen.

Foto: Prof. Dr. med. Heinrich V. Groesdonk © privat